Kinderdepot

Wer das Kindergeld ab der Geburt anlegt, kann bis zum 18. Geburtstag ein ordentliches Startkapital aufbauen. Bei einer angenommenen Rendite von 6 % pro Jahr wird aus rund 56.000 € eingezahltem Kindergeld ein Depotwert von etwa 100.000 €. Der Unterschied entsteht nicht durch ein cleveres Produkt, sondern einfach durch Zeit.

Genau das wird beim Thema Kindergeld anlegen oft übersehen: Die wichtigste Entscheidung ist nicht, was du kaufst, sondern wann du anfängst.

Warum früh beginnen wichtiger ist als der Betrag

Ein Vergleich macht den Unterschied greifbar. Angenommen, du legst monatlich 259 € an, bei 6 % Rendite pro Jahr:

Start Anlagedauer Eingezahlt Endkapital (ca.)
Ab Geburt 18 Jahre 56.000 € 100.000 €
Ab Einschulung 12 Jahre 37.000 € 55.000 €
Ab dem 10. Geburtstag 8 Jahre 25.000 € 32.000 €

Fünf Jahre später anzufangen kostet nicht fünf Jahre Sparrate, es kostet dich einen deutlich größeren Teil des Endkapitals. Der Grund liegt im Zinseszinseffekt: Die ersten Jahre tragen überproportional viel bei, weil sie am längsten wirken können. Wer also mit dem doppelten Betrag fünf Jahre später einsteigt, holt die Differenz in der Regel nicht mehr auf.

Das heißt im Umkehrschluss auch: Du musst nicht warten, bis du „genug“ zur Verfügung hast. Ein kleinerer Betrag, der früh beginnt, schlägt einen größeren, der später startet.

Was du bei der Umsetzung beachten solltest

Ist die Grundsatzentscheidung gefallen, stellen sich einige Fragen, die über den Erfolg der Anlage mitentscheiden:

  • Auf welchen Namen läuft das Depot — auf dich oder auf dein Kind? Diese Entscheidung hat steuerliche und rechtliche Folgen, die weit über den Sparzeitraum hinausreichen.
  • Welche Anlageform passt zu deinem Zeithorizont?
  • Wie sieht die steuerliche Behandlung aus, in Deutschland und in Österreich gelten unterschiedliche Regeln.
  • Was passiert kurz vor dem Zeitpunkt, an dem das Geld gebraucht wird? Ein Depot, das bis zum letzten Tag voll investiert bleibt, hängt vom Zufall des Börsenkurses im entscheidenden Jahr ab.

Der erste Punkt wird am häufigsten unterschätzt: Ein Juniordepot gehört ab dem 18. Geburtstag vollständig und unwiderruflich dem Kind, unabhängig davon, wofür die Eltern es gedacht hatten. Das ist steuerlich der vorteilhaftere Weg, bedeutet aber auch einen Kontrollverlust, den viele Eltern beim Start nicht auf dem Schirm haben.

Und die Frühstart-Rente in Deutschland?

Im August 2026 hat das Bundeskabinett die sogenannte Frühstart-Rente beschlossen: Der Staat soll Kindern ab Geburtsjahrgang 2020 monatlich 10 € in ein gefördertes Altersvorsorgedepot einzahlen, ab dem 6. Lebensjahr bis zur Volljährigkeit. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen, das geplante Inkrafttreten ist der 1. Januar 2027.

Für die Frage „Kindergeld anlegen“ ist das nur bedingt relevant, denn die Frühstart-Rente verfolgt ein anderes Ziel: Sie ist Altersvorsorge, keine Sparanlage für Studium, Führerschein oder Anzahlung. Ausgezahlt wird frühestens mit 65. Wer für die Zeit vor dem Ruhestand des Kindes vorsorgen will, kommt an einer eigenen Lösung nicht vorbei. Die Frühstart-Rente ersetzt das Juniordepot nicht, sie ergänzt sie höchstens.

Die Einzelheiten stehen auch in meinem Artikel zur Frühstart-Rente.

Und wenn du in Österreich lebst?

Die Grundlogik, nämlich „früh beginnen schlägt viel einzahlen“, gilt unabhängig vom Wohnort. Für Österreich gilt aber eine wichtige Besonderheit: Geld, das rechtlich einem Kind gehört, muss „mündelsicher“ angelegt werden: das sind Sparbuch, Anleihen oder wenige zugelassene Fonds, aber keine Aktien oder ETFs. Ein ETF-Sparplan direkt auf den Namen des Kindes ist deshalb in Österreich in der Praxis kaum möglich. Der übliche Weg: Das Depot läuft auf einen Elternteil, wird aber gedanklich dem Kind zugeordnet und bei Volljährigkeit übertragen.

Das bringt andere Fragen mit sich als in Deutschland, etwa, wem das Geld rechtlich gehört, solange es auf den Elternnamen läuft. Bei österreichischen Familien ist das fast immer der eigentliche Knackpunkt. Die Frage nach dem richtigen ETF kommt erst danach.

Was als Nächstes zu klären ist

Die Grundsatzfrage „früh beginnen“ lässt sich pauschal beantworten. Die Umsetzung nicht: Ob das Depot auf dein Kind oder auf dich laufen sollte, welcher Anbieter für deine Erfordernisse der beste ist, welche steuerlichen Freibeträge in deiner Situation greifen und wie du den Ausstiegszeitpunkt planst, hängt von eurer konkreten Lage ab.

Um diese Fragen und mehr zu klären, biete ich die spezielle Juniordepot-Sprechstunde an. Dabei helfe ich dir, das Juniordepot stabil und sicher für die Zukunft aufzusetzen.