Diese Überschrift ist mir zuletzt in vielen Medien aufgefallen. Sie steht auf Instagram, in Elternforen und in jedem zweiten Finanzratgeber. Ich möchte dies hier einmal berechnen und feststellen, was an der Aussage dran ist.
Die Annahmen
Ich habe folgenden Annahmen zugrunde gelegt: Sechs Prozent Rendite pro Jahr, Einzahlung ab Geburt, monatlich, bis zum 18. Geburtstag. Danach keine weitere Einzahlung, aber das Geld bleibt investiert.
Sechs Prozent sind in meinen Augen eine realistische Annahme, nicht zu offensiv, aber definitiv keine Garantie. Wir müssen immer bedenken, dass Kapitalmärkte schwanken und niemand und sagen kann, was die nächsten sechzig Jahre bringen. Die Zahl setzt etwas unter den langfristigen Durchschnitten breiter Aktienmärkte an.
Die Rechnung
| Monatlich | Eingezahlt gesamt | Wert mit 18 | Wert mit 65 | Nach Steuer |
|---|---|---|---|---|
| 25 € | 5.400 € | 9.700 € | 149.800 € | 123.100 € |
| 50 € | 10.800 € | 19.400 € | 299.500 € | 246.200 € |
| 100 € | 21.600 € | 38.700 € | 599.100 € | 492.500 € |
| 167 € | 36.100 € | 64.700 € | 1.000.000 € | 822.000 € |
Die Antwort auf die Titelfrage lautet also: ja, du kannst dein Kind zum Millionär oder zur Millionärin machen. Es braucht rund 167 Euro im Monat für achtzehn Jahre, das sind insgesamt 36.000 Euro.
Jetzt kommt der Haken:
Die Million entsteht mit 65. Nicht mit 18.
Schau dir in der Tabelle die Spalte „Wert mit 18“ an. Bei 167 Euro monatlich stehen dort 64.700 Euro. Das ist der Betrag, der am 18. Geburtstag tatsächlich da ist.
Die restlichen 935.000 Euro entstehen in den 47 Jahren danach. Das ganze alleine durch den Zinseszinseffekt und ohne einen einzigen weiteren Euro Einzahlung. Die Zeit macht hier die Arbeit, nicht die Sparrate.
Damit hängt die ganze Rechnung an einer einzigen Voraussetzung: 47 Jahre lang rührt niemand das Depot an.
Die Frage ist: wie realistisch ist das? Läuft das Depot auf den Namen deines Kindes, gehört das Geld ab dem 18. Geburtstag deinem Kind. Es kann verfügen, umschichten oder auszahlen, deine Zustimmung braucht es dafür nicht.
Das heißt, es liegen rund 64.700 Euro auf dem Konto einer 18-Jährigen. Vielleicht braucht dein Kind das Geld nicht und lässt es liegen. Vielleicht wird aber auch ein Auslandsjahr daraus, eine Wohnungseinrichtung oder ein Auto. Alles davon sind unter Umständen wichtige Gründe, nur die Million gibt es dann nicht mehr.
Was der Zeitpunkt macht
Ein zweiter Punkt, der in dieser Rechnung sehr wichtig ist. Du zahlst dieselben 167 Euro pro Monat ein, startest aber erst am fünften Geburtstag. Ergebnis mit 65: rund 608.000 Euro statt einer Million.
Fünf Jahre Verzögerung kosten dich also fast 40 Prozent des Endergebnisses. Das ist also der größte Hebel, den du hast.
Umgekehrt: Eine einmalige Anlage von rund 22.700 Euro bei der Geburt kommt ohne jede weitere Einzahlung auf die Million. Falls in deiner Familie größere Geldgeschenke im Raum stehen, ist das eine Rechnung, die sich zu kennen lohnt.
Was die Steuer macht
In der Tabelle steht eine Spalte „Nach Steuer“. Ich habe hier die Abgeltungsteuer (in D: Kapitalertragsteuer 25 % plus 5,5 % Soli) auf den Gewinn ausgerechnet, mit Teilfreistellung von 30 % für Aktienfonds.
Aus der Million werden nach Steuer rund 822.000 Euro. Wenn du die Million nach Steuern erreichen willst, brauchst du etwa 203 Euro im Monat statt 167.
Die genaue Belastung hängt aber auch davon ab, ob der Sparerpauschbetrag genutzt wird und wie die Vorabpauschale über die Jahre wirkt. Das ist einer der Punkte, an denen die Struktur mehr Geld ausmacht als die Fondsauswahl.
Und was ist die Million dann wert?
Bei zwei Prozent Inflation im Jahr entspricht eine Million Euro in 65 Jahren einer heutigen Kaufkraft von lediglich rund 276.000 Euro. Das ist immer noch ein sehr guter Betrag, aber Reichtum ist das nicht.
Wer dir eine Million verspricht, spricht von einer Zahl auf einem Kontoauszug im Jahr 2090 oder später. Ich finde, das sollte dazugesagt werden.
Und wenn ihr in Österreich lebt?
Die Zinseszinsrechnung gilt unverändert. Sechs Prozent sind sechs Prozent, in Wien wie in Berlin.
Beim Ergebnis nach Steuern sieht es anders aus. In Österreich fallen 27,5 Prozent KESt auf Kapitalerträge an, ohne Teilfreistellung für Aktienfonds und ohne ein Pendant zum deutschen Sparerpauschbetrag. Aus der Million bleiben dann grob 735.000 Euro statt 822.000. Ein Unterschied von rund 87.000 Euro allein durch die Steuersystematik.
Dazu kommt die Frage der Mündelsicherheit. Vermögen auf den Namen eines minderjährigen Kindes unterliegt in Österreich den Anlagevorschriften der §§ 215 ff. ABGB. Eine breite ETF-Veranlagung direkt im Namen des Kindes ist dort nicht ohne Weiteres vorgesehen. In der Praxis läuft das Depot deshalb auf den Namen eines Elternteils, und das Vermögen wird später übertragen.
Für österreichische Familien verschiebt sich die zentrale Frage damit noch stärker: weg von der Sparrate, hin zur Struktur und zum Übergabezeitpunkt.
Was ich dir mitgeben würde
Drei Hebel, in dieser Reihenfolge.
Früh anfangen. Der Startzeitpunkt schlägt die Sparrate. Fünfzig Euro ab der Geburt bringen mehr als hundert Euro ab dem zehnten Geburtstag.
Die Struktur klären, bevor du einzahlst. Auf wessen Namen läuft das Depot, wer kann verfügen, was passiert mit 18. Diese Entscheidung lässt sich später nur mit Aufwand und manchmal gar nicht mehr korrigieren.
Die Übergabe vorbereiten. Ein 18-Jähriger, der von einem Depot überrascht wird, trifft andere Entscheidungen als einer, der seit Jahren weiß, wofür es gedacht ist.
Du willst wissen, wie das für dein Kind konkret aussieht?
In der Junior-Depot-Sprechstunde klären wir in 60 Minuten die Fragen, an denen die Rechnung sonst scheitert. Auf wessen Namen, welche Auswahlkriterien, was mit 18 passiert. Unabhängig, ohne Produktverkauf.
Alle Berechnungen sind Modellrechnungen auf Basis der oben genannten Annahmen. Sie stellen keine Prognose und keine Anlageempfehlung dar. Tatsächliche Ergebnisse können deutlich abweichen.